Magische Momente

Manchmal kann ich nicht schlafen, weil ich die Nacht durchmache. Und manchmal mache ich die Nacht durch, weil ich nicht schlafen kann. 

Das Leben ist kurz. Verglichen mit dem aufgezeichneten Wissen, welches wir über die Geschichte unserer Zivilisation namens Menschheit haben, ist unser durchschnittliches Leben ein unbedeutender Fliegenschiss. Wieso sollten wir uns also Sorgen machen über Szenarien, die wahrscheinlich niemals eintreffen werden, anstatt einfach kopfüber in den Moment zu springen und Erfahrungen zu kreieren, die wir vielleicht nachher in die Kategorie "Fehler" im Kopf abheften? 

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich hatte echt keinen Bock mehr. Ich will die Existenz empfangen und das Leben genießen. Ich stelle mir immer wieder vor, dass mein Leben eine metaphorische Berg- und Talfahrt ist. Nur, dass es keine Fahrt ist, sondern eine verdammt harte Wanderung. Und dass es viel weniger metaphorisch ist, als ich es wahrhaben wollte. Und es gibt immer wieder Momente, wo ich das Kreuz hoch oben auf dem höchsten Punkt schon sehen kann und nur noch die letzten Schritte tun muss. Immer, wenn das passiert, werde ich übermütig und falle wieder den Anstieg herunter. Zurück ins Tal. Und da bleibe ich dann so lange, bis ich meine Reserven wieder aufgefüllt habe und genug Kraft gesammelt habe, um wieder von vorne zu beginnen und den Berg erneut zu erklimmen. Es gab auch Zeiten, da habe ich mich im Tal einfach eine Weile ausgeruht und meine Zelte aufgeschlagen, weil ich keine Motivation mehr hatte, überhaupt anzufangen, den Berg erneut zu erklimmen. Aber was mir keiner vorher gesagt hat ist: dass nach dem nächsten Anstieg eine absolut atemberaubende Aussicht folgt und vor allem, dass das nächste Tal vielleicht auch ganz schön werden könnte. Und noch besser: danach folgt eine neue Aussicht auf einem anderen, höheren Berg. 

Es lohnt sich, beide Beine in die Hand zu nehmen und sich auf den Weg zu machen. Es lohnt sich, zu fallen, um zu merken, dass man fallen kann und in der Lage ist, wieder aufzustehen. So habe ich schon viele Täler bewohnt und auch einige Berge gesehen und die Aussicht genossen. Und gerade merke ich ganz besonders, wie lange ich schon auf dem Berg sitze und mir die Aussicht ansehe. Ich sehe die Natur, in ihrer wilden und ungezähmten Pracht und ich fühle die Schönheit des Moments in jedem Atemzug. Ich schließe die Augen und atme noch einmal tief ein. Und bevor ich ausatme, sage ich Danke. 

Ich schätze die Talfahrten, weil sie mich daran erinnern, dass nichts im Leben für immer ist. Und doch sind wir unendlich. Wir sind fühlende Wesen, die die einmalige Funktion der Selbstreflexion auf ihrer Seite haben. Wir können Entscheidungen abwägen und darüber schlafen. Wir sind in der Lage dazu, unsere Meinung zu ändern und wir können unsere Gefühle kontrollieren, wenn wir verstanden haben, dass wir nicht unser Kopf sind. Wir sind auch nicht unser Körper. Wir sind all die einzigartigen Gefühle, die in intensiven Augenblicken instinktiv in unser Verhalten fallen. Mir gefällt der Begriff Intuition. Aus dem Lateinischen bedeutet dies ungefähr die unmittelbare Anschauung oder das genaue Hinsehen. Nun, wir sehen nun mal nicht mit den Augen. Wir sehen nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. Alles, was wir sind, geschieht durch die Intuition. Wir sind die unmittelbare Anschauung unserer Selbst. 

Wer bist du ohne deinen Namen? Wie fühlst du doch ohne dein Einser-Abitur? Was denkst du, dass du in dieser Welt bewirken kannst, wenn du nicht deinen Anzug mit dem Logo deiner internationalen Firma trägst? Warum solltest du besser sein als jemand anderes, nur weil du eine Ziffer mehr auf dem Bildschirm deiner Spardabank-App hast? Was bleibt noch, wenn du ohne Kleidung da stehst und es keine Spiegel und auch keine anderen Menschen um dich herum gibt? Wer bist du? Was bist du? Bist du gut? Bist du böse? Bist du beides? Bist du das Produkt deiner Story? Bist du etwa die Summe all deiner Gefühle? Verbindest du deine Persönlichkeit mit dem Ausmaß deiner Auslandsaufenthalte? Identifizierst du dich mit einer Musikrichtung oder einer bestimmten Marke? Wer bist du?

Schließ die Augen. Atme ein. Fühle deine Lungen. Bedanke dich für den Atemzug. Atme aus. Es ist nur logisch, dass wir am meisten genießen, wenn wir die Augen geschlossen haben. Weil wir dann nur fühlen und uns vollkommen auf etwas einlassen. Etwas zulassen. Loslassen. Lass los. Wer loslässt, hat beide Hände frei. Wer loslässt, hat die Möglichkeit, die Liebe der Natur und des ganzen Universum zu erfahren. Wer vertraut, der hat die Chance, Unendlichkeit zu erfahren. Frei von allen Fesseln der so genannten Gesellschaft, frei von all den Zwängen und all den Dingen, die dich wirklich davon abhalten, einfach frei zu sein. Frei zu sein in jeder Hinsicht. 

Mir wird immer mehr bewusst, in was für einer unglaublichen Zeit ich lebe. Wo ich geboren worden bin. Wo ich nun lebe. Wie ich lebe. Mit wem ich lebe. Wie ich aussehe und wie ich mich dabei fühle. Wann haben wir uns eigentlich so in Egoismus und Missgunst verrannt? Was hat dazu beigetragen, dass wir die Quelle unserer Inspiration tief in uns selbst verloren haben? Wie können wir unsere kreative Energie, die aus Sex geschöpft wird, in Liebe umwandeln? Alles ist Sex. Wir sind die Grundlage von Sex. Nur haben wir nach diesem Akt dem ganzen Leben ne ganz schöne Menge an Bedeutung geschenkt. Natürlich. Weil wir bewusst auch nur dieses eine Leben wahrnehmen. Und was für ein Leben willst du führen? Wie willst du leben? Es liegt in deinen eigenen Händen. 

Niemand in der Außenwelt ist für deine Situation verantwortlich. Glaub es oder nicht, du hast es dir selbst so eingebrockt. Und du bist auch der Meister, der in der Lage ist, es wieder auf die Reihe zu bekommen. Manchmal braucht es nur dieses eine Jahr, um zu realisieren, dass du zu all dem fähig bist, was du immer wolltest. Fang klein an. Gib dir Zeit. Sei geduldig mit dir. Du hast Zeit. Zeit existiert nämlich nicht. Uhren existieren. Das Universum kennt keine Zeit. Im Universum ist immer nur Jetzt. Dort schert sich niemand um die Vergangenheit und niemand interessiert sich für die Zukunft. Du musst begreifen, dass du nicht glücklicher wirst, als genau in diesem Moment. Du kannst nur durch noch mehr Bewusstsein und Achtsamkeit dieses Gefühl intensiver wahrnehmen. Das nennen die meisten Meditation.

Ich bevorzuge Bewusstsein. Bewusst sein. Sei bewusst. Mehr ist es nicht. Ich habe mich so lange dafür fertig gemacht, dass ich nie so perfekt war, wie ich es mir immer gewünscht hatte. Und eines Tages habe ich einfach Scheiß drauf gesagt und bin kopfüber in den Moment gesprungen. Das war vor über zwei Jahren. Und zwei Jahre später sitze ich in meiner eigenen Wohnung und schreibe auf einer elektronischen Tastatur meine ungefilterten Gedanken auf, um sie mit einem Mausklick der ganzen Welt zugänglich zu machen. Ich habe einen Job, der es mir ermöglicht, meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Ich arbeite am Wochenende in einem kleinen Café und verkaufe leckere Süßigkeiten an kuchenhungrige Menschen. Andauernd habe ich mich gefragt, was ich "werden will"... Bis mir aufgefallen ist, dass ich schon längst all das bin, was ich immer sein wollte: glücklich. 

Ich habe nun akzeptiert, dass es in diesem Leben nichts zu erreichen gibt, es gibt keinen Vergleich und es gibt keine Wertung. Die einzige Wertung, die ich vornehme, ist die meiner eigenen Person. Und da ich die nun einfach hinten angestellt habe, geht es mir viel besser. Ich habe mir nach diesem Sommer selbst den Kopf rasiert. Ich habe es nicht mehr ausgehalten. Also nahm ich einfach die Haarschneidemaschine in die Hand und fing an. Und auf einmal waren alle Haare ab. Meine ganze Vergangenheit, mein ganzer "Stolz" war nun im Waschbecken zu einem beschaulichen Büschel zusammengesunken. Ich bin nicht meine Haare. Ich bin nicht mein Parfum. Ich bin nicht mein "Style". Ich bin nicht mein Name. Ich bin einfach nur ich. Und ich bin eine von vielen. Von Milliarden. Und doch sind wir alle gleich. 

Es gibt kaum genug Menschenworte dafür, was ich empfunden habe, als mein Kopf einfach nur kahl war. Ich habe gelacht, geschrien und geweint. Naja, ich habe schon richtig geheult. Und ich habe weiter gemacht. Ich bin schon so oft gefallen, dass ich mir nicht mehr die Zeit genommen habe, meine Wunden zu lecken, sondern einfach wieder aufgestanden bin und weiter gemacht habe. Mit dem Wissen, dass mein Körper sich selbst heilt. Nicht die Zeit heilt alle Wunden. Du heilst dich selbst. Du hast die Kraft der Selbstreflexion und der Selbstheilung in dir. Niemand muss zu dir kommen, um dich zu retten. Du hast dich noch nicht gefunden? Vielleicht liegt das daran, dass du dich auch noch nicht verloren hast. Wie willst du etwas finden, was du nicht mal angefangen hast, zu suchen? 

Geh auf die Suche nach dir. Erkunde dich selbst. Entdecke, wie spannend du als Individuum bist und wie reich deine innere Welt ist. Verliere dich. Suche dich. Finde dich. Und verliere dich erneut. Der Kreislauf ist eine Spirale. Du wirst niemals ankommen. Du bist es schon längst. Home is where your heart is. Und dein Herz ist das wichtigste Organ in deinem Körper. Deswegen ist es auch mitten in deinem Körper. Und somit schließe ich für uns alle daraus: Dein Körper ist dein Zuhause. Du bist schon lange Zuhause. Kein Ort auf dieser Welt wird dir das Gefühl von Heimat geben, wenn du dich nicht hegst und pflegst und deinen inneren Garten bewässerst und düngst. Du bist dein eigenes Zuhause. Du bist dein eigener Held. Du bist deine ganz persönliche Rettung. Und du wirst niemals jemanden finden, der dich glücklich machen wird, weil du dich erst selbst akzeptieren musst, mit all einen Eigenschaften. Eigenschaften sind so etwas wie uns die Gesellschaft als Charakter verkaufen will. Das sind Verhaltensmuster. Das sind wiederkehrende Rhythmen deiner Gedanken und Handlungen, die dich dann schlussendlich formen. Aber das bist nicht du. 

Du bist nur die Liebe, die durch deine Adern schießt, der kühle Wind auf deinen Händen, während du deinen eigenen Atem auf der Haut spürst. Du bist, was du sein willst. Und du kannst dich ändern. Du musst nur akzeptieren, dass das Universum für dich am besten weiß, wie du funktionierst. Es ist schwierig, die Kontrolle an eine unsichtbare Kraft zu geben, aber es wird sich lohnen. Lass los. Sei du. Sei frei. Sei der Moment. Der magische Moment.